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 Der Wolf in der Mythologie

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Tini
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BeitragThema: Der Wolf in der Mythologie   Do Feb 05, 2015 7:41 pm

Nach einhelliger Meinung geht man heute davon aus, dass die erste Bezeichnung für den Wolf in der indoeuropäischen Sprache vor rund 9.000 Jahren auftauchte. Es war demnach im Neolithikum, also der Jungsteinzeit der Fall. Zu dieser Zeit lebte der Mensch ausgesprochen naturverbunden und fühlte sich auf einer Stufe mit den Tieren. Die Menschen des Neolithikums glaubten, dass Tiere wie der Wolf auch in Gesellschaftsverbänden und Stämmen lebten. Es stand für die Menschen außer Zweifel, dass sie selbst in Verwandtschaftsbeziehungen zu irgendeinem Tier, einem Totem, standen. Spuren des Totemismus sind in allen Verbreitungsgebieten nachgewiesen worden. Zu den Tierarten, die zum Totem wurden, gehörte auch der Wolf. Er nimmt sogar einen führenden Platz ein. Dies war insbesondere bei den frühen Indianerstämmen in Nordamerika der Fall. Nachgewiesen ist der Totemismus aber auch in Eurasien wie in Turkmenien. Ähnliches gilt für die Eskimos im Bereich der Beringstraße. Bei den Eskimos war, neben dem Gerfalken (Falco rusticolus) und dem Kolkraben (Corvus corax), auch der Wolf ein Totemtier. Verehrt wurde der Wolf auch von den mongolischen Völkern. In einer Legende heißt es, dass die Mongolen von einem vom Himmel geborenen Wolf und einer Hirschkuh abstamme.

Als Urmutter der alten Türken galt eine Wölfin. Die Verehrer eines Totems gingen davon aus, dass sie in den unterschiedlichen Lebenssituationen mit dessen Unterstützung und Schutz rechnen konnten. Die Totemverehrung hat sich in einigen Regionen bis in die heutigen Tage erhalten. So glaubten die Usbeken bis vor wenigen Jahrzehnten an die Hilfe des Urvaters, dem Wolf. In den meisten Kulturen hängt die Verehrung des Wolfes mit der Geburt eines Kindes und dem Bestreben, das Leben des Neugeborenen zu erhalten, zusammen. Um einer Frau eine schwierige Geburt zu erleichtern, legte man ihr einen Wolfskiefer um das Handgelenk oder zerrieb ein Stück eines getrockneten Wolfsherzens zu Pulver, löste es in Wasser auf und gab es der Frau zu trinken. Den Säugling hüllte man in ein Wolfsfell. An das Kinderbett oder die Wiege hängte man Amulette aus Wolfszähnen, Krallen und Afterzehen. Erwachsene Usbeken trugen zum Schutz vor Unglücken Zähne, Eckzähne oder Krallen um den Hals. Ähnliche Bräuche sind auch bei den Burjat-Mongolen, den Kasachen oder den Kasantataren der Fall.

Auch im westlichen Europa trat der Wolf in alten Kulturen oft als Totem, meist als Beschützer, auf. Der römische Gelehrte Plinius schrieb bereits im 1. Jahrhundert, dass ein Wolfskopf die Kraft eines Zaubers brechen könne. Es verwundert nicht, dass die Eingangsbereiche von Landsitzen mit Wolfsköpfen versehen waren. In Frankreich und Deutschland verwendete man aus ähnlichen Gründen einen Wolfsrachen. In Italien, insbesondere auf Sizilien, bewahrten Bauern in Pferdeställen immer eine Wolfspfote auf. Bereits im Altertum sah der Mensch den Wolf als einen Verwandten an und begegnete ihm mit großer Ehrerbietung. Im alten Griechenland, bei den Athenern, herrschte ein Brauch vor, wonach einem toten Wolf das Begräbnis ausgerichtet wurde. Ähnlich verfuhren die Jakuten. Sie hüllten einen toten Wolf in Heu und hängten ihn zum Bestatten an einen Baum. Die Usbeken begruben Wölfe in der Erde.

Die Tschuktschen, ein indigenes Volk im russischen Fernen Osten, verehrten den Wolf als übernatürliches Wesen. Die Jakuten hielten den Wolf für den Sohn des Gottes Uluu-Tojon (Großer Herr). Die Korjaken, ein Volk auf der Halbinsel Kamtschatka, sahen im Wolf den Herrn der Rentiere und den Beherrscher der Tundra. Auch in Nordamerika sprach die indigene Bevölkerung dem Wolf göttliche Eigenschaften zu. Ihrem Glauben zufolge herrschte ein alter Wolf über alle Tiere. Die Völker der Urgesellschaft hatten noch keine Vorstellung davon, wie das Leben eines Kindes entsteht. Sie glaubten, dass eine Frau eine Verbindung mit einem Tier eingehen kann. Dies trug zur Entstehung des Tierahnenkultes bei. Die Kamtschadalen, eine Mischbevölkerung, die auf frühe russische Siedler und südliche Itelmenen zurückgeht, hielten den Wolf für den Vater von Zwillingen, da sie davon überzeugt waren, dass ein Mann nicht der Vater zweier Kinder gleichzeitig sein könne. Man sprach dem Wolf eine Mitbeteiligung auf göttlicher Basis zu. Die Geburt von Zwillingen galt bei den Kamtschadalen daher als Schande und die Frau wurde streng bestraft.


Die kapitolinische Wölfin säugt die Knaben Romulus und Remus

In der Mythologie ist vor Allem die Geschichte von Romulus und Remus bekannt. Der römischen Mythologie nach sind sie die Gründer der Stadt Rom (zu Romulus) im Jahre 753 v. Chr. Sie gelten als Kinder des Gottes Mars und der Priesterin Rhea Silvia. Seit dieser Zeit steht die Kapitolinische Wölfin, die die Knaben säugt, als Wahrzeichen Roms. Romulus und Remus sind jedoch nicht die einzigen Kinder, die von einer Wölfin gerettet wurden. So wurden beispielsweise die slowakischen Recken Waligor und Wyrwidub von einer Wölfin und einer Bärin genährt und aufgezogen. Ähnliches widerfuhr dem deutschen Sagenheld Dietrich (Wolfdietrich), Sohn Hugdietrichs, König von Konstantinopel, oder auch Kyros, dem Gründer des altpersischen Reiches. Im Grunde zeigt die weite Verbreitung des Themas in den Erzählungen und Legenden von einer guten Beziehung zwischen dem Menschen und dem Wolf. Zudem glaubte der Mensch des Altertums und der Antike, dass ein Kind, das von einem Wolf genährt wurde, tapfer, stark und zäh sein müsse. Es gibt noch zahlreiche weitere Nachweise von Wölfen in der Mythologie. In der Sage über die Umsiedlung italienischer Stämme wird erzählt, dass ein Stamm von einem Wolf angeführt wurde. Germanische Krieger sind auf Darstellungen zwischen dem fünften und neunten Jahrhundert als Wölfe gekleidet. In altdeutschen Texten ist ebenfalls von Wolfskriegern oder Kriegern in Wolfsfellen die Rede.

Bei den Mongolen und zahlreichen Turkvölkern ist der Wolf Symbol der Anführer von Kriegerscharen. Auf alttürkischen Fahnen war ein Wolf dargestellt. Neben den zahlreichen Überlieferungen und Legenden, in denen der Wolf positiv dargestellt wird, gibt es auch zahlreiche, in denen der Wolf negativ dargestellt wird, z.B. im Grimmschen Märchen von "Rotkäppchen und dem bösen Wolf". Der Mensch bringt den Wolf seit jeher mit Kälte, Dunkelheit und Winter in Verbindung. In einigen Kulturen wurden die Wintermonate daher auch als Wolfsmonate bezeichnet. Bei den Bulgaren waren die Tage zwischen Weihnachten und dem 6. Januar die Wolfsfeiertage.


Quelle: Tierdoku.de
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BeitragThema: Re: Der Wolf in der Mythologie   Do Jan 14, 2016 12:14 pm

DER WERWOLF


Wirklich alles über den Werwolf findet ihr hier:https://www.historicum.net/themen/hexenforschung/thementexte/magisterarbeiten/artikel/Der_Werwolf_Ausgewaehlte_Aspekte_einer_Figur_der_europaeischen_Mythengeschichte_unter_besonderer_Beruecksichtigung_der_Tollwut/#II12


In der Kürze:



Der Werwolf
Was ist ein Werwolf?

In vielen abendländischen Kulturkreisen der Antike und des Mittelalters bis hin zur Neuzeit findet man den Begriff des Werwolfs. So wird diese Sagengestalt im skandinavischen Raum mit `Varulv', im französischen mit `loup-garou' und in Irland mit `fáelad' bezeichnet. In der Literatur wird der Werwolf aber auch häufig als `Mannwolf' bezeichnet und als Mensch in Tiergestalt beschrieben. Ebenso mannigfaltig wie die Epochen und Kulturkreise sind Bedeutung aber auch jeweilige Ursprungsquellen dieser Mythen- und Sagengestalten. Im folgenden möchte ich einige kurz umreißen:

   Werwolf der Antike:
   In der Antike war der Glaube an Wolfsmenschen weit verbreitet. Die Helenen nannten ihn Lykanthropos
   lycaon
   Abb. 1: Lycaon wird von Zeus zur Strafe in einem Wolf verwandelt.
   (`Waldmensch'). Herodot berichtete im 5. Jh. v. Chr., die `Neuren', die ein Gebiet nördlich der Skythen bewohnten, hätten die Macht, sich für einige Tage im Jahr in Wölfe zu verwandeln. Es ist diskutiert worden, dass das vielleicht mit der für südländische Augen ungewohnten Kleidung der Fremden aus Pelzwerk zusammenhängen könnte.
   Auch in dem antiken Griechenland war der Werwolfglaube sehr lebendig. Lycaon, König der Arkadier, wurde aufgrund seiner unmenschlichen Grausamkeit von Zeus in einen Wolf verwandelt, der fortan ruhelos durch die Wälder umherstrich. Die Sage der Verwünschung Lycaons hängt stark mit Menschenopfern zusammen, die auf dem Gipfel des Lycaion, dem Wolfsberg, dem Gott Lycaios Zeus bis ca. 400 v. Chr. dargeboten wurden. Es hieß, jeder, der von dem Opferfleisch aß, wäre dazu verdammt 10 Jahre als Wolf umher zu irren, bevor er seine menschliche Gestalt zurückerhielt.

   Nordischer Werwolf:
   In der altnordischen Überlieferung ist der Werwolfbegriff an den der Berserker und des zur Friedlosigkeit Geächteten angelehnt. Solche wurden als Kveldulfr (`Nachtwolf') bezeichnet. Der Vater des Skalden Egil soll ein solcher gewesen sein. Auch König Siggeirs Mutter soll sich, der Sage nach, in einen Bären verwandelt haben können.

   Werwolf des Mittelalters:
   Im Mittelalter kursierten die wildesten Werwolf-Geschichten. Dies ging einher mit der Darstellung des zum `Nahrungskonkurrenten' gewordenen Wolfes als Sinnbild des Bösen, sogar als Satan selbst, der seinen Vasallen die Fähigkeit gab, sich in Wölfe zu verwandeln und in dieser Gestalt das Vieh zu töten und Menschen anzufallen. Dieser Prozess der Verteufelung hatte seinen Höhepunkt zur Zeit der Inquisition und hielt lange Zeit danach noch an. Um die Boshaftigkeit noch zu unterstreichen, sprach man dem Werwolf sämtliche triebhaften Sünden und schlechte Charaktereigenschaften der Menschen wie Sodomie, Habgier, Mordlust, Raub, usw. zu. Dabei wurde anscheinend der Begriff des Werwolfs auf alle in Tiergestalt gehüllten Menschen ausgeweitet. Wie bei dem gleichzeitig herrschenden Hexenwahn reichten geringste Beschuldigungen aus, um einen "Werwolf" auf den Scheiterhaufen zu bringen. Die Werwolfprozesse waren eine Farce, deren Urteile de facto schon feststanden, bevor man den Beschuldigten unter Zuhilfenahme sämtlicher Methoden der peinlichen Befragung ihre Geständnisse abgepresst hatte. Die darunter geschilderten Details sowohl sexueller Vergehen als auch grausamster Tötungsdelikte der angeklagten Werwölfe führten zu einer unwahrscheinlichen Aufwertung der ohnehin schon kursierenden Sagen und Legenden. Die bei mittelalterlichen Werwolfprozessen aufgeführten Fälle bewirkten eine Bekräftigung des seit der Antike bekannten Werwolfglaubens.

   Moderner pseudowissenschaftlicher Werwolf:
   Selten wird der Werwolf als Zwitterwesen aus Mensch und Wolf betrachtet, dessen Definition ich in meinen Romanen Die Wa'Drán-Chroniken I – Metamorphosis und Die Wa'Drán-Chroniken II – Ultor zugrunde lege. Diese Definition schließt eine fundamentale Eigenschaft der klassischen Werwolf-Definition aus − die des reversiblen Shapeshiftings.
   Im Rahmen des sich wandelnden Leumunds des Wolfes und der steigenden Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung findet man hier erstmalig Werwölfe mit positiven Eigenschaften, die sich in erster Linie durch ihre Naturverbundenheit auszeichnen. Dieses Merkmal soll durch Verschmelzung von Tier und Mensch unterstrichen werden. Allerdings überwiegt auch hier die Vorstellung des Werwolfes als reißerische Bestie, die mordend durch ihr Revier irrt.


Wie entstand die Bezeichnung Werwolf?

Nun, es gibt viele Kulturen, in deren Mythologie Manntiere, halb Mensch halb Tier, vorkommen. Gewöhnlich war das Tier ein großes Raubtier, welches bei Nacht jagt. Werkreaturen nehmen oft die Gestalt des gefährlichsten Tieres des jeweiligen Gebietes an. So gibt es in Indien Wertiger, in Afrika Werleoparden; die berühmtesten Werkreaturen sind jedoch die Werwölfe aus Mitteleuropa.
Die Silbe `Wer' kommt von dem alt-englischen Wort `wer', welches Mann bedeutet. Daher Werwolf ↔ Mannwolf

Quelle:http://www.canilobo.de/de/werewolf/werwolf.php

Berichte von angeblichen Augenzeugen findet ihr hier:




Weitere Erklärungen und Darstellungen der mythologischen Figur:

Werwolf
Dieser Artikel behandelt den Werwolf in der Mythologie. Weitere Bedeutung siehe unter Werwolf (Begriffsklärung)
Werwolf (Holzschnitt von Lucas Cranach, 1512)

Ein Werwolf (von germanisch wer ‚Mann‘; vgl. auch lat vir, niederländisch weerwolf, altenglisch wer[e]wulf, schwedisch varulv) althochdeutsch auch Mannwolf genannt, ist in Mythologie, Sage und Dichtung ein Mensch, der sich in einen Wolf verwandeln kann. Als Phänomen gehört er zum großen Komplex der Wertiere (Therianthropie - von griech. therion: ‚wildes Tier‘ und anthropos: ‚Mensch‘), der sich in Religion und Mythologie weltweit findet.

Inhaltsverzeichnis

   1 Überblick
   2 Ursprung
   3 Werwolfprozesse
   4 Moderne Werwolfdarstellungen
       4.1 Romane zum Thema
       4.2 Unterhaltungsindustrie
       4.3 Musik
   5 Siehe auch
   6 Literatur
   7 Weblinks
   8 Einzelnachweise

Überblick

Dem Begriff Werwolf liegt die mythologische Vorstellung zugrunde, dass ein Mensch die Fähigkeit besitzt, sich in einen Wolf zu verwandeln.[1] Die meisten Sagen berichten von Männern, die einen Pakt mit dem Teufel eingingen und von ihm einen Gürtel aus Wolfsfell erhielten, mit dessen Hilfe sie sich verwandeln konnten. Das Wesen, in das diese Teufelsbündner übergehen, wird als unheilvoll und raubtierhaft beschrieben. Eine Besonderheit findet sich im Rheinland, wo der als Stüpp bekannte Werwolf seinen Opfern aufhockt und sich von ihnen bis zur Erschöpfung beziehungsweise bis zum Erschöpfungstod tragen lässt.

Zu den modernen Werwolf-Mythen, die durch volkskundliche Überlieferungen nicht unterstützt werden, gehört die in verschiedenen Horrorfilmen vorgestellte Verwandlung eines Menschen, der von einem Werwolf verletzt worden ist. Sowohl die Akten der frühneuzeitlichen Prozesse als auch die unzähligen Sagen aus verschiedenen Teilen Europas sprechen einheitlich davon, dass die Opfer von Werwolfattacken zerrissen und teilweise auch gefressen wurden. Von einer späteren Wolfsverwandlung ist erstmals im von Curt Siodmak verfassten Drehbuch zum Hollywoodfilm The Wolf Man (1941) die Rede.
Ursprung
Darstellung eines Werwolfs. Deutscher Holzschnitt aus dem Jahr 1722

Berichte über Lykanthropie (von griech. lykos: ‚Wolf‘, anthropos: ‚Mensch‘), das heißt über Verwandlungen zwischen Mensch und Wolf sind in der Geschichte sehr weit zurückzuverfolgen. Bereits Zwitterwesen in Höhlenmalereien lassen sich entsprechend interpretieren. Ältestes schriftliches Zeugnis ist das Gilgamesch-Epos, in dem die Göttin Ištar einen Schäfer in einen Wolf verwandelt (Tafel 6, Vers 58–61). Aus der griechischen Literatur und den Metamorphosen des Ovid ist der griechische König Lykaon bekannt, der von Zeus in einen Wolf verwandelt wurde, da er und seine Söhne dem Gott Menschenfleisch vorsetzten. Petronius Arbiter, ein Satiriker des 1. Jahrhunderts, erzählt im Gastmahl des Trimalchio von einem Mann, der sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt, und sein Zeitgenosse Plinius der Ältere berichtet in seiner Naturgeschichte von Menschen, die mehrere Jahre als Wolf leben, ehe sie wieder in ein menschliches Wesen zurückkehren, hält dies aber für reine Phantasie. Olaus Magnus wandte sich im 16. Jahrhundert in seinem Werk Historia de gentibus septentrionalibus (‚Geschichte der nördlichen Völker‘) gegen diese Auffassung von Plinius. Es gebe im Norden sehr wohl Menschen, die sich bei Vollmond in Wölfe verwandelten. Sie brächen in die Häuser von Menschen ein und verzehrten deren Vorräte. Sie hätten an der Grenze zwischen ihrer eigentlichen Heimat Litauen und Kurland eine Mauer errichtet, bei der sie sich jedes Jahr versammelten und ihre Kraft dadurch zeigten, dass sie darüber sprängen. Wer zu fett sei, diese Probe zu bestehen, werde von den übrigen verhöhnt. Auch Adlige und Vornehme gehörten dazu. Nach einigen Tagen würden sie sich wieder in normale Menschen zurückverwandeln.[2]

In der isländischen Egils saga wird vom Großvater Egils berichtet, dass er ein Werwolf sei und daher den Namen Kveldulf (‚Abendwolf‘) erhalten habe.

   „En dag hvern, er að kveldi leið, þá gerðist hann styggur, svo að fáir menn máttu orðum við hann koma; var hann kveldsvæfur. Það var mál manna, að hann væri mjög hamrammur; hann var kallaður Kveld-Úlfur.“

   „Aber jedes Mal, wenn es zum Abend ging, wurde er so unwirsch, dass nur wenige Leute mit ihm ins Gespräch kamen. Beim Dunkelwerden pflegte er schläfrig zu werden. Man erzählt sich, dass er des Nachts häufig in verwandelter Gestalt umging. Die Leute nannten ihn Abend-Wolf.“

– Egils saga, Kap 1, übersetzt von Felix Niedner

Auch in der Völsungasaga ist von Werwölfen die Rede. Sigmund lebt mit seinem Sohn Sinfiötli im Wald, und beide verwandeln sich zeitweise in Wölfe.

Diese Überlieferung ist noch in Richard Wagners Oper Die Walküre angedeutet, für deren Inhalt die Völsungasaga ja eine wesentliche Quelle ist. In dieser Oper erzählt Siegmund von seinem Leben im Wald mit seinem Vater. Er nennt seinen Vater dabei Wolfe, und von sich selbst zusammen mit seinem Vater spricht er sogar als Wolfspaar. Beim Bericht über den Verlust des Vaters heißt es:

   „Eines Wolfes Fell nur traf ich im Forst: leer lag das vor mir, den Vater fand ich nicht.“

Nach Herodot (Historien IV, 105) könnten Berichte der Skythen über die Neuren, ein nördliches Nachbarvolk, eine Quelle des Mythos sein.

   „[…] die Skythen und die im Skythenland wohnenden Hellenen behaupten, jährlich einmal verwandle sich jeder der Neuren für wenige Tage in einen Wolf und trete dann wieder in den menschlichen Zustand zurück.“

Behauptungen, der Begriff habe Menschen beschrieben, die an einer extremen Form der Wolfskrankheit, dem Systemischen Lupus Erythematodes (SLE) litten, sind nicht belegt. Ebenso seien Tollwutkranke für Werwölfe gehalten worden, da hier die Erkrankung durch den Biss eines Tieres erfolgt. Die Symptome dieser Krankheit passen zur Beschreibung von Werwölfen: Anfälle, bei denen der Erkrankte wild um sich zu beißen beginnt, Angst vor Wasser, aber gleichzeitig starker Durst, was zu spastischen Schluckkrämpfen führt etc. Berichte über Lykanthropen, d. h. über Menschen, die sich wie Wölfe aufführten und heulten und auf allen vieren herumkrochen, lassen sich auch begreifen als Schilderungen von Menschen mit einer individuellen Psychose oder von Ereignissen (vielleicht Ritualen im Rahmen von bäuerlichen Feldkulten), die von den Gelehrten in ihren Studierstuben nicht verstanden und deshalb in ein vorhandenes, den Mythen entnommenes Interpretationsmuster gepresst wurden, nämlich die arkadische Wolfsverwandlung. Versuche von Medizinern (Rudolf Leubuscher: Über die Werwölfe und Tierverwandlungen im Mittelalter, Berlin 1850) und Volkskundlern (Richard Andree) des 19. Jahrhunderts, aus den spärlichen und oft auch verzerrten Darstellungen ein genau umrissenes Krankheitsbild herauszufiltern, waren zum Scheitern verurteilt. Heutzutage spricht man von einer Form der Geisteskrankheit, ohne dass Mediziner oder Psychiater sich einig sind über Krankheitsbild, Symptome und vor allem über die Ursachen. Häufig dient der Begriff nur der Beschreibung einer allgemeinen Psychose, die entweder aus Mangel an einem geeigneten Namen oder auch aus Sensationslust als "Lykanthropie" etikettiert wird.
Werwolfprozesse

Im Zuge der Hexenverfolgungen wurden auch zahlreiche Männer vor Gericht gebracht und hingerichtet. Eine beträchtliche Anzahl von ihnen wurde der Werwolfverwandlung bezichtigt, vor allem Hirten. Nach einer Reihe von Verfahren im Herzogtum Burgund fand 1589 in Bedburg bei Köln der in der Kriminalgeschichte bekannteste Werwolfprozess statt: Der Bauer Peter Stubbe (auch Stübbe oder Stump) wurde zusammen mit seiner Tochter und seiner Geliebten hingerichtet, weil er angeblich mindestens 13 Kinder umgebracht und sich an zwei Mädchen vergangen hatte. Ob es sich hierbei um einen wirklichen Werwolfprozess oder um ein inszeniertes Gerichtsverfahren gegen einen politisch unbequemen Mann handelte, ist umstritten. Der Fall stieß auf große Resonanz, und selbst in den Niederlanden, in Dänemark und in England erschienen Flugblätter, teilweise mit Holzschnitten geschmückt, in denen die tatsächlichen oder angeblichen Gräueltaten Stubbes in allen Einzelheiten geschildert wurden. Seither trug der Werwolf im Gebiet zwischen den Flüssen Erft und Rur den Namen Stüpp.

Werwolfprozesse traten meist wellenförmig in Gegenden auf, die unter einer Wolfsplage litten, z. B. die Franche-Comté und der französische Jura, der Hunsrück, der Westerwald und das Nassauer Gebiet. In der zumeist populärwissenschaftlichen Literatur ist häufig von ca. 30.000 Werwolfangriffen bzw. 30.000 Werwolfprozessen (in einem Zeitraum zwischen 1520 und 1630 und meistens in Frankreich) die Rede, doch ist diese Zahl historisch nicht belegt. Sie wird von Fachleuten in Sachen Hexen- und Werwolfprozesse als publikumswirksame Spekulation abgelehnt.
Moderne Werwolfdarstellungen

In Afrika sind Vorstellungen über Therianthropie weit verbreitet. Als Hexen Beschuldigten wird zugesprochen, sich in Schlangen, Hyänen, Löwen oder Fabelwesen verwandeln zu können und so ihre Opfer auszusaugen. Bisweilen vermutet man überfahrene Tiere als Hexen, in Westafrika gilt die Urination auf den Kadaver oder das noch lebende Tier als Bann der Hexe. Das heutige westliche Bild des Werwolfes wurde vor allem durch Filme geprägt. So führte Curt Siodmak im Jahre 1941 in dem Film The Wolf Man die Idee ein, dass Menschen, die von einem Wolf gebissen werden, bei Vollmond zu einem Werwolf mutieren, und dass Silber das einzige Mittel sei, ihn zu töten. Andere Versionen sagen hingegen, dass ein Werwolf stirbt, wenn er eine Mondfinsternis sieht. Auch wird Werwölfen oft die Fähigkeit zugesprochen, sich sehr schnell von Verletzungen erholen zu können.

In neuen Werken wird das Thema oft ironisch behandelt, etwa bei Christian Morgenstern, der ihn lyrisch in seinen Galgenliedern dekliniert („des Weswolfs“ usw. Original) oder in Terry Pratchetts Helle Barden, wo die Werwölfin Angua als Vertreterin einer ethnischen Minderheit in die „Wache“ („The Watch“) aufgenommen wird. In Der Talisman von Stephen King und Peter Straub freundet sich der Protagonist Jack mit einem Werwolfjungen an, der beim Übergang in unsere Welt kurzsichtig wird. Der britische Schriftsteller Martin Millar behandelt das Motiv in seinem Roman Lonely Werewolf Girl, in dem ein schottisches Werwolfmädchen in einem Warenhaus in London lebt. Auch der deutsche Phantastik-Preisträger Markus Heitz beschäftigt sich in seinen Werken Ritus und Sanctum ausführlich mit Werwölfen und anderen Wandelwesen.

In dem Rollenspiel Werewolf: The Apocalypse von White Wolf spielen Werwölfe die Rolle tragischer Helden, die halb Mensch, halb Wolf für die Rettung der Welt kämpfen. Eine neuartige Behandlung erfährt das Thema in Joanne K. Rowlings Harry-Potter-Serie mit dem Lehrer Remus Lupin. Dieser Werwolf ist ein Sympathieträger, der sich durch seine Lykanthropie unberechtigten Ängsten und Vorurteilen ausgesetzt sieht. Das mythische Phänomen des Werwolfs wird so zur modernen Metapher für chronische Krankheiten und Behinderungen in der nichtmagischen Welt. Im Gegensatz dazu steht der Todesser Fenrir Greyback, der das Werwolfleben dermaßen genießt, dass er auch als Mensch(enartiger) mit Vorliebe Kinder beißt und tötet.

Ebenfalls eine große Rolle spielt der Werwolf in Stephenie Meyers Twilight-Reihe. Dort sind es die Heranwachsenden des Quileutestamms (eines auf der Olympic-Halbinsel, im Nord-Westen Washingtons, lebenden Indianerstammes), die sich zum Schutz ihres Stammes in riesige Wölfe verwandeln. Diese Verwandlung dient speziell dem Schutz vor ihren Erzfeinden, den Vampiren. Später jedoch stellt sich heraus, dass die Werwölfe Gestaltwandler sind. Die "echten" Werwölfe wurden bereits fast ausgerottet, jedoch existieren sie dort auch und verwandeln sich nur bei Vollmond.

In dem MMORPG World of Warcraft haben Werwölfe als computergesteuerte Gegner als „Worgen“ ihren Weg ins Spiel gefunden und wurden später sogar als spielbare Rasse integriert. Ein Menschenvolk leidet hier unter einer Worgeninvasion, welche durch einen Magier ausgelöst wurde. Dieser beschwor die Werwölfe aus einer anderen Welt zum Schutz seiner Stadt. Der Spieler verwandelt sich wie in klassischen Vorlagen durch einen Biss in einen Werwolf, lernt später aber sich zwischen Mensch und Werwolf hin und her zu verwandeln.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Werwolf

https://www.historicum.net/themen/hexenforschung/thementexte/magisterarbeiten/artikel/Der_Werwolf_Ausgewaehlte_Aspekte_einer_Figur_der_europaeischen_Mythengeschichte_unter_besonderer_Beruecksichtigung_der_Tollwut/#II12
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